Robert Mittringer

"Mit Leim angesetzte Asche bildet den Untergrund von Mittringers Bildern. Darauf breiten sich Flecken aus gebundenem Graphitstaub aus, manchmal verbindet er ihn mit rotem Sand von Tennisplätzen. Darüber schichtet er karge, nahezu unbeholfen wirkende Kreidestriche. Selbst bei der Grundierung mit der Asche aus seinem Ofen folgt er keiner klaren Strichführung. Das Abdecken erhält einen Hauch von alten Gesteinsstrukturen. Die Kombination der schwarzen Flecken - mitunter auch gepaart mit farbigen oder weißen - mit den feinen Kreidestrichen mag an alte Felsmalereien erinnern. Zeichen ver-gangener Kulturen, manchmal kaum entschlüsselbar. Doch es handelt sich hierbei um eine oberflächliche Assoziation, denn die Bedeutung dieser Zeichen liegt in deren Dasein selbst. Nahezu durchgängig ist auf den Bildern, freilich an verschiedenen Stellen, eine Gestalt aus mehreren kleinen, parallelen Strichen zu bemerken. Sie wirken sozusagen als Kontrapunkte zu den langgezogenen Kreidestrichen. Bei längerer Betrachtung entpuppen sich diese kleinen Striche als kalligraphische Zeichen, die schließlich in der Signatur "Mittringer" münden. In der gewählten Form kann sie nicht bloß als Nach-weis der Authentizität verstanden werden, vielmehr ist sie integraler kompositorischer Bestandteil des Werks und bewegt sich in einem Spannungs-verhältnis zu den Kreidestrichen, den Flecken sowie zu der groben Strichführung des Untergrunds."

(Dr. Thomas Fillitz, Wien)


„Robert Mittringer, Jahrgang 1943 und damit Interpret einer neuorientierten Nachkriegskunst, widersetzt sich der Schubladierung. Sein Werk lebt aus der Dreieinigkeit von Malerei, Grafik und Plastik, in der jede einzelne Gattung aus der Durchdringung mit den beiden anderen existiert. []
Oftmals als schwer zugänglich bezeichnet, schafft Mittringer in seinen Arbeiten den kurzen Moment des Gleichgewichts zwischen Harmonie und Chaos oder Gesetzmäßigkeit und Anarchie.
In diesem Kontext einer nur scheinbaren Polarität setzt er jenen abgebrochenen Dialog fort, den die Philosophen als "dialektisch" bezeichnen.
Mittringer verwehrt sich in seiner Kunst in jeder Phase entschieden gegen die Einvernahme durch die verführerische, neoliberale "alles ist möglich"-Welt, ohne dabei die Kompositionsprinzipien von Farbe, Form, Raum und Proportion zu opfern oder gar zu ignorieren. "

OÖ Nachrichten, 22. 12. 2004


„Stets durchdringen sich im Werk die verschiedenen Techniken, nie besitzt eines der zur Verfügung stehenden Medien die ausschließliche Aufmerksamkeit des Künstlers. Die betont antizyklische Arbeitsweise, das unbekümmerte Zugreifen auf einmal erarbeitete formale, materielle und zunehmend auch psychologische Möglichkeiten, auch wenn diese aus bereits weit entfernten Entwicklungsphasen stammen, charakterisiert das Schaffen in seiner Gesamtheit.”
(Berthold Ecker: „Über Robert Mittringer”, in: Kulturpreise des Landes OÖ, Linz 2001)


„Der bevorzugte Werkstoff des oberösterreichischen Künstlers Robert Mittringer ist Karton, den er in einer speziellen Technik verleimt, zu minimalistisch wirkenden, immer aber in ihrer Einfachheit bestechenden Installationen zusammenstellt. Die Arbeit Robert Mittringers im Bereich von Skulptur und Installation startet meist mit „einfachen, armen” Materialien und Fundstücken, welche ungeformt und ästhetisiert werden. () Die Zeichnungen in Mittringers Werk bilden einen eigenen Komplex; sie existieren neben den plastischen Objekten autonom. In seiner zeichnerischen Arbeit lässt sich Mittringer oft vom Unbewussten treiben, um später das Chaos einer Ordnung zurückzuführen ().”

(Vorwort von Silvia Kro im Jänner 2007, in: „Robert Mittringer. Sinn geben, Karton zweckentfremdet und abgeformt”, 2007)


„Die Begeisterung für das Materielle eines Kunstwerkes zeigt sich in der für ihn spezifischen Materialsichtigkeit der Objekte. Gebogen, geformt, manipuliert bleibt nahezu immer die typische ockerne Farbigkeit der Kartonagen erhalten. Als leicht veränderliches, instabiles Material kann Mittringer es durch Ästhetisierung dem Alltäglichen, dem Abfall entreißen. Erst als Kunstobjekt erhält das billige Verpackungsmaterial Bedeutung, wird somit wertvoll und erhaltungswürdig. Die Transformation, welche das Material unter den Händen des oberösterreichischen Künstlers durchläuft, entreißt es durch eine neue Wertzuweisung seiner „natürlichen Bestimmung” im Recyclingcontainer zu landen. ()
Die Semantik des Kartons erschließt sich über dessen Verwendung als kostengünstiges Verpackungsmaterial. Er ist für Robert Mittringer ein Symbol für die Globalisierung der Konsumgesellschaft.”

(Mag. Alexandra Matzner in: „Robert Mittringer. Sinn geben, Karton zweckentfremdet und abgeformt”, 2007)


„Das zeichnerische Agieren von Robert Mittringer lässt sich am besten als prozessuales Ringen um Ordnung, als ein sich Vergewissern der Welt beschreiben. () Mittringer zeichnet auf „Schmierpapier”, das, bevor es Ausgangsmaterial und Medium der Graphik wurde, im häuslichen Leben Verwendung fand. Es finden sich Notizen, Einkaufszettel, Rechnungen unter schablonierten Zeichnungen von Scheren und Sternen. () Während der bewusst künstlerischen Arbeit an einem Blatt wird dieses dann immer wider gedreht, manchmal arbeite der Zeichner blind, so dass erst das Setzen der Signatur seine Ausrichtung bestimmt. Palimpsestartig überlagern sich die Bildelemente in mannigfaltigen Schichten.”

(Mag. Alexandra Matzner in: „Robert Mittringer. Sinn geben, Karton zweckentfremdet und abgeformt”, 2007)