Thomas Steiner

„Die charakteristische Strategie in Thomas Steiners künstlerischem Gestalten ist die Synthese unterschiedlicher Bildmedien zu einem neuen erweiterten Ganzen. Zeichnung wird mit Malerei verwoben, grafische Spuren und Kolorit verschneiden sich mit Fotografien, die in ihrer Addition eine filmische Dimension erhalten.
[] Der mediale Dialog zwischen Zeichnung und Malerei findet in den [] Diptychen eine mehr säkularisierende als verbindende Natur. Zwei im Format idente Bilder werden gegenübergestellt: Eine mit Zeichnung strukturierte Arbeit [] und ein monochromes Bild. Während in Steiners Zeichnung der Gestus als persönlicher Ausdruck des schaffenden Künstlers im Mittelpunkt steht, wird in den monochromen Tafeln die Expression zurückgenommen. Dennoch ist der Entstehungsprozess nachvollziehbar, indem der Künstler mit seinen Fingern die Farbe aufträgt und somit der Bildoberfläche eine eigene Tektonik verleiht.
[] Zwar steht die monochrome Bildtafel mit ihrer flächigen Struktur diametral zu den grafischen Spuren ihres Gegenstücks, bei näherer Betrachtung wird man aber die Fährten der Finger in der Farbe erkennen, die sich zeichnerisch verhalten. Dadurch wird der scheinbare Kontrast des Bildpaares relativiert.”

(Forian Steininger „Das Bild als multimediale Projektionsfläche Malerei Fotografie und Film.” In: „Thomas Steiner. Film/Bilder Bilder/Film.” 2000)


„Beziehungen herstellen, Zusammenhänge schaffen, Konfrontationen zulassen, Begegnungen ermöglichen. Das sind die Aufgaben, die das Leben stellt und die in der Kunst Gestalt annehmen durch den Drang nach Darstellung und der Suche nach Wahrheit. Nicht die oberflächliche Realität des Alltags, sondern jene der inneren Befindlichkeit wird zum auslösenden Inhalt, bestimmt Rhythmus und Form. Die gegenstandslose Kunst ist bei diesem Prozess der gegenständlichen weit voraus, hat sie doch eine wesentlich umfassendere Möglichkeit der Assoziation und kann viel mehr auf die unausgesprochenen Werte eingehen.
„Das Konzept der Arbeiten ist die Konfrontation und die Auseinandersetzung, sowohl was den Inhalt, als auch was die Technik betrifft. Die Komposition ist überzeugend einfach und doch äußerst komplex. Thomas Steiner setzt die monochrome Fläche gegen die expressive Geste, definiert damit Kontemplation und Spontaneität und nutzt die Möglichkeiten der Malerei und der Grafik bis zum Äußersten aus. Absichtslosigkeit und Bewusstsein, Intellekt und Emotion stehen in enger Beziehung zueinander und er weiß sehr genau das jeweilige Medium mit Konzentration, Disziplin und Können zu nutzen.”

(Angelica Bäumer „Die Natur ist ein Wesen”, In: „Thomas Steiner. Film/Bilder Bilder/Film.” 2000)


„Vergleichbar der grundlegenden thematischen Ausrichtung bei anderen Künstlern seiner Generation bildet auch für Thomas Steiner die Natur das zentrale Bezugsfeld einer Anschauung, die Organisches und Vegetatives nicht abbildhaft, sondern als elementares Kräftespiel definiert.
Steiners Papierarbeiten und Leinwände nehmen in energetischer Grundsätzlichkeit und zugleich voller Sensibilität diesen bildnerischen Diskurs auf. Im Widerstreit von Chaos und Ordnung schafft der Künstler komplexe, das Materielle ebenso wie den gestalterischen Vollzug betonende Werke. Ihre assoziative Nähe zu organischem Wachstum und Natur findet auch ihre Entsprechung in einer Deutung, die möglicherweise sogar bevorzugt seelischen Komponenten Rechnung trägt.”

(Peter Baum, Vorwort zu „Thomas Steiner. Zeichnungen 1994 1995.”)


„Thomas Steiner ist ein Künstler, der sowohl den malerischen und graphischen Gestus in seine Konzeptionen einführt, wie auch die Medialität von Video und Film einsetzt. Seine Bilder sind gleichermaßen malerisch wie filmerisch, seine Filme haben starke piktorale Qualitäten oft weisen sie graphisch nervöses Lineament auf. Steiner klammert das streng gerichtete Fokussieren auf einen verdinglichten Bildinhalt aus. In interessiert die Aberration: das Umfeld, das Abschweifen, das Assoziieren und das Nachspüren. Seine Vorgangsweise ist keine analytische Herleitungsstrategie oder ein eindimensionales Entwicklungsmuster, sondern ein synkretistisches Verfahren. Es werden Bilder übereinander gelegt, Belichtungen dicht geschichtet, Graphismen in Strängen gebündelt, dazwischen meditative Ruhephasen in stillen Bildern eingeschoben, einzelne in sich vibrierende Tafeln mit größeren Flächenkonstrukten verwoben. Steiner fühlt der Dynamik und der Temperatur von Bildwerken, eigenen und fremden, nach. ()
Thomas Steiner misstraut den Harmonien im Welt- und Kunstgeschehen zutiefst. Aus diesem Grund unterwirft er unsere Wahrnehmung einem Prüfverfahren, in dem der Betrachter aufgerufen ist, selbst zu hinterfragen, was er tatsächlich sieht, was er dazu imaginiert, in welche Richtung in das Gesehene entführt. ()
Steiners System des Zertrümmerns und Zerlegens ergibt ein höchst dynamisches Gesamtbild: die einzelnen Szenen fliegen weg, Überlagerungen schieben sich aus einem virtuellen Kosmos darüber()”

(Margit Zuckriegl, Von der Simultaneität des Sehens, in: Thomas Steiner, Video/Bilder 2001-2006, 2006)


„Thomas Steiner überschreite in seinen filmischen Konzepten die Grenzen aller Genres. Er entwirft eine amalgamierende Synthese aus Malerei, Film Graphik, Geschichten, Bildern, Geräuschen, Szenarien, Rhythmen. In den Fokus all dieser Wahrnehmungsmodi, in das Zentrum des Seh-Stromes, stellt er den Betrachter. In den Mittelpunkt seines synästhetischen Konzepts stellt er die Medialität des Films mit dem verführerischen Potential zur Verzauberung und der filmimmanenten Charakteristik des bewegten Bildes.”

(Margit Zuckriegl, Von der Simultaneität des Sehens, in: Thomas Steiner, Video/Bilder 2001-2006, 2006)