W.M. Pühringer

„ In exorzistischer Manier durchschreitet W.M. Pühringer seit Mitte der 80er Jahre das Gebiet der Zeichnung, der Skulptur und der Architektur. Sein Exorzismus bringt Architektur und Kunst, welche einordenbar, klassifizierbar, benennbar sein will, zum Stillstand. Gleich einer Cruise Missile heben seine Werke ab und geben der Umgebung und dem Menschen eine neue Direktion vor, die in einer unermüdlichen Irritation das Werk beinahe auf das Nackte reduziert endet.

[] In der Gegenüberstellung zu graphischen Zeichnungen, die „nur” gezeichnet sind, ist bei W.M. Pühringer die Architektur stets schon „gebaut”. Die Negation des Bestehenden mit den mitteln des architektonischen Terrorismus führt zu einer Beschleunigung seiner künstlerischen Ausdrucksweise und zur Überschreitung der Grundbedingungen der Architektur. Der restliche Raum, das Ungedachte in der Architektur zu denken, wird zu einem zentralen Motiv seiner Arbeit. Seine Entwürfe lassen sich deuten nach diesem restlichen Raum einem Denken des Draußen in der Korrespondenz mit einer Fortentwicklung der Architektur des Raumes hin zu einer geographischen Architektur.

[] Strich um Strich wird aufgetragen, Konstruktionen und Texte überlagern sich und geben so den Werken die ästhetische Attitude. Nichts Geheimnisvolles und Mystisches verbirgt sich in diesen Texten, sind sie doch gleichsam nur eine kompensatorische Lösung für die unerfüllten Architekturen des Lebens und unserer Welt. Der Entwurf erscheint hier anders als in „reinen” Architekturzeichnungen als überlagernder Begriff existenzphilosophischen Denkens. Der Arbeitsprozess beginnt nicht mit dem leeren Blatt, sondern das „Volle” wird Linie um Linie gesetzt, der reduktionistischen Dekonstruktion unterworfen. Striche, Verbindungen, Details und Elemente für eine Architektur, die noch nicht gedacht werden kann, der auf der Spur zu bleiben ist.”

(Martin Pail, Text zum Katalog „work in progress” Wien, 1996)