Regina Hadraba

Regina Hadraba wurde 1964 in Niederösterreich geboren und studierte an der Akademie bei Prof. Ernst Skricka Malerei und Grafik. Sie gehört in Österreich zu jenen jungen Künstlern, deren Arbeiten bereits in vielen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt wurden und die bereits etliche Preise erhielten.

Sie fand eine völlig eigenständige Formensprache, wobei sie ihre Anregungen aus der Natur holt, aber auch aus Mythen, Märchen und Literatur. Sie arbeitet in verschiedenen Techniken, vor allem aber mit der Technik der Monotypie. Sie setzt auf sorgfältig vorbereitete Malgründe grafische Elemente. Blätter, Blüten, Sterne, verschlungene Figuren. Bilder, die aus der Beobachtung der Natur, aus der Beschäftigung mit dem Menschen und einer inneren Vision kommen. Die künstlerische Umsetzung geschieht ästhetisch überzeugend, technisch anspruchsvoll und inhaltlich komplex.

(Prof. Angelica Bäumer, Vizepräsidentin der AICA (Association International de Critiques d´Art), Wien, 21. September 1998)


Regina Hadraba konzentriert sich in Ihrer Kunst fast ausschließlich auf die Zeichnung. Die Bilder wirken spielerisch und lassen die Vorliebe der Künstlerin für Kindheitsmotive und Kindheitsphantasien erkennen - eine Zeit und ein Stadium, wo alles noch unverfälscht und ehrlich gemeint ist. Es handelt sich hierbei um einen Stil, der spätestens seit Dubuffet eine wichtige Rolle in der westeuropäischen Kunst spielt. Jedoch vermeidet Hadraba dabei das destruktive Element, welches bei Dubuffet "art brut" - rohe Kunst - oft dominiert und sich an Zeichnungen von "Geisteskranken" orientiert.

Ihre Darstellungen sind stark reduziert, wobei jedoch das Objekt oder Motiv nie durch die völlige Abstraktion verleugnet wird. Menschen und Tiere werden, und auch hier bleibt sie bei Kindheitsphantasien, oft laufend und springend dargestellt, gezeichnet in einer ununterbrochenen Linienführung, wettstreitend untereinander, aber auch im Kampf mit sich selbst. Die Natur wird bis aufs Äußerste reduziert. Ein Strich, ein Kreis und Strahlen können für eine Blume, für einen Baum aber auch für die Sonne stehen. Als drittes Motiv, neben Mensch/ Tier und Natur, kommen ihre Kürzel und Symbole hinzu. Es sind Kürzel (Kreise, Striche, Leiter, Punkte, Schlangen u.v.m.) deren Repertoire sie immer wieder erweitert. Dieser Prozeß geschieht während des Zeichnens. Ihre Arbeit ist also nicht nur ein Reflexion von Gesehenem und Erdachtem, sondern vielmehr ein Entdecken einer neuen Zeichensprache.

Hadrabas Bilder wirken heiter, vor allem die Dynamik ihrer Figuren verleihen den Arbeiten eine spielerisch wirkende Spontaneität, die auch durch die Farbgebung akzentuiert wird. Es sind nicht viele Farben, die sie verwendet, aber alle wirken intensiv und warm.
In ihrer derzeitigen Schaffensperiode überwiegt, das für sie so typische intensive Gelb, das ihrem Kunstwollen am meisten entspricht. Hinzu kommt noch bei jedem Bild das Schwarz des grafischen Teiles.

Es stellt sich noch die Frage nach einer etwaigen Struktur in ihren Bildern. Es ist keine auffallende, schon gar keine geometrische Struktur zu finden, sondern diese ergibt sich eher zufällig durch die Technik, die Regina Hadraba anwendet. Sie verwendet kräftiges handgeschöpftes Papier. Farbpigmente und grobkörniger Sand werden mit Leinöl vermischt. Die Großformate werden wellig und wirken dadurch visuell haptisch. Die Grafik kommt in Form einer Monotypie hinzu.
Ein durch Ölfarbe nasser Stoff wird über das präparierte Papier gelegt und mit einem harten spitzen Gegenstand wird die Zeichnung auf die Bildoberfläche "gedrückt". Durch den leichten Druck des Darüberlegens des Stoffes auf die Bildoberfläche werden zusätzlich die erhöhten Teile dieser haptischen Oberfläche leicht schwarz gefärbt. Ein Effekt, der die monochrome Farbgebung teilweise relativiert und die Spannung in Regina Hadrabas Bilder erhöht.

(Wolfgang Posautz, anläßlich der Ausstellung in der Galerie Slama im Dezember 1994)


Zu Regina Hadrabas Zeichenschatz - den Figurenstenogrammen, und den zum Teil von prähistorischer Weiblich- und Männlichkeitssymbolik ableitbaren Leitern, Punktreihen, Schellen und Kronen - gesellen sich nun in ihrer neuesten Installation signifikanterweise das kleine Mädchen und der Knabe, die Knospe und der Apfel als Metaphern für verzaubernde Unschuld und Jugend. Letztere werden als Silhouetten, mittels Schablonentechnik, in der zartgrau nuancierten, formal sehr streng durchkomponierten rechten Bildhälfte ausformuliert. Die subtile Farbgebung, das edle handgeschöpfte Bütten und die laut Künstlerin "bewußt ästhetisierte, formal stark reduzierte Komposition" des rechten Längsformats steht in dialektischem Verhältnis zum linken, auf billigstem Papier - einem gewöhnlichen braunen Papiersackerl - in rasant wirkender Handschrift ausagiertem Bildteil. Mit traumwandlerischer Sicherheit gleitet der Stift über das ölgeschwärzte Tuch und hinterläßt auf der Papiertüte Spuren allgemein menschlicher und künstlerischer Natur. Erst das Abheben des Farbträgers erlaubt der Künstlerin kontrolliertere Eingriffe in die so entstehende Monotypie. Verborgenes aufdecken, die automatistische Aufzeichnung ins Bewußtsein dringen lassen, Verwunschenes der Erlösung zuführen; so deutet das Zusammenlesen der geteilten Bildformate sowohl inhaltlich, als auch formal die Polarität des Themas dieser Arbeit aus: Mit einem gezielten schwarzen Strich oder Formgebilde bindet Hadraba im letzten Arbeitsschritt die beiden Formate untrennbar aneinander und hintertreibt damit so nebenbei die Vermutung des Betrachters, man habe es mit der Verwünschung ausschließlich auf der linken "düsteren" und mit der Erlösung auf der rechten, "himmelhellen" Bildhälfte zu tun.

Ironie, Spontaneität und hintergründiger Witz kennzeichnen auch die beiden an konkrete Märchen angelehnte Künstlerbücher Hadrabas. Ich möchte Ihnen, sehr geschätztes Publikum, jedoch nicht durch weitere Ausführungen die kindliche Freude nehmen, beim Durchblättern der Bücher und beim phantasiebegabten Schauen der Bilder beider Künstlerinnen potentielle Prinzen selbst aus Fröschen herauszuküssen, gläserne Splitter aus Herzen und Augen zu weinen, und Rapunzels blauen Vogel in die Freiheit zu entlassen.

(Maria Christine Holter anläßlich einer Ausstellung in der Galerie Arcade im September 1996)


„Über die künstlerischen Arbeiten von Regina Hadraba nachzudenken heißt, sich mit der Wirkung von Farbe und Linie auseinander zusetzen, denn ihre Werke sind geprägt vom dialektischen Wechselspiel dieser beiden Elemente. Farben sind (nach Johannes Itten) Strahlungskräfte, Energien, die in positiver und negativer Weise auf uns wirken. Sie sind nicht nur als sinnlich-optische Phänomene wahrnehmbar, sie wirken auch auf unsere Psyche und lassen sich intellektuell-symbolisch deuten. Die Linie ist die spontanste und direkteste Umsetzung der Empfindung. Sie ist reiner Ausdruck, Schrift ohne Sprache. In der Linienkunst lassen sich alle Extreme zusammenführen, die größtmögliche impulsive, körperhafte Direktheit genauso wie die größtmögliche vergeistigte, distanzierte Reflexion (P.Weiermair).
() Die Werke von Regina Hadraba entstehen aus Momenten der Vertiefung, der Kontemplation, die sie beim Lesen von Texten sucht und erreicht. Lektüre ist der Nährboden ihrer Arbeit, genauso wie die Auseinandersetzung mit der eigenen Person, zu der sie die Reflexion eines Textes führt. Regina Hadraba lotet die Stimmungen aus, die die Texte in ihr hervorrufen, und lässt sie zum Ausgangspunkt ihrer Bildarbeit werden. Die psychische Energie, die aus der Wirkung der Texte entsteht, entlädt sich im Malen und Zeichnen.
() Obwohl sich die Künstlerin an der Bilderwelt orientiert, die ein Text vermittelt, wird dennoch jeder enttäuscht, der illustrative oder narrative Elemente in ihren Werken sucht. Denn um die Stimmungsbilder wiederzugeben, verlässt sie sich ausschließlich auf die Wirkung der Farbe, des Striches und jener Schlüsselformen, die sie für sich selbst entwickelt hat. () Die Symbole haben aber nicht nur eine inhaltliche, sondern auch eine ästhetische Funktion.
() Text oder Musikstücke bringen gleichsam ihre inneren Schwingungen in Gang, als würde ihr inneres Instrument gestimmt, aus dessen Klang heraus sie arbeiten kann. Regina Hadraba arbeitet also aus einer inneren Gestimmtheit. Sie schöpft aus dem Bildspeicher ihres Inneren, ohne die auf das Papier gesetzten Linien im voraus zu berechnen oder zu planen.
() In allem, was wir in den Werken von Regina Hadraba sehen können, nehmen wir uns selbst wahr. So wie die Künstlerin in einem einzigen Strich ihr ganzes Leben auszudrücken vermag, so können wir unser Leben in einem einzigen Strich erkennen.”

(Andrea Christa Fürst, "Verwandlungen", in: „Regina Hadraba. Arbeiten 2000-2007”, 2007)


„Tatsächlich geht Regina Hadraba einen Weg, der eine Umkehr der technischen Machbarkeit aller Dinge bedeutet, nämlich den Weg eines Lebens in Poesie. Nicht Worte drücken eine Seelenstimmung oder eine geistige Verfassung aus, sondern gedachte und gesprochene Worte werden zu graphischen und plastischen Weltgeburten. So verändert sie Sprache in Bildwelten. Es scheint, als verwandelt sie die verschiedenen Sprachen des Menschen in einen neuen, verständlichen graphischen Kosmos.”

(Wolfgang J. Bandion, „Artefakte einer gedachten parallelen Welt”, in: „Regina Hadraba. Arbeiten 2000-2007”, 2007)