Wolfgang Stifter

„Das bildnerische Werk von Wolfgang Stifter ist durch das Graphische und Skripturale geprägt und geformt. Im Feinen und Subtilen der Linie verdichtet sich das Emotionale und Intelligible zu einer Textur des Gestischen, die weder Abstraktion noch Gegenständlichkeit meint, sondern das Zeichenhafte des Visuell-Bildnerischen. Die seit jeher sein Schaffen begleitenden Pinselzeichnungen sind Symbol und Praxis dieses künstlerischen Selbstverständnisses, in so ferne der Pinsel in bildtechnischer Hinsicht beides in sich vereint: Das Moment der Malerei und das Moment der Schrift.”

(Carl Aigner, „Wolfgang Stifter. Im Zeichen der Schrift.”)


„[] Die Darstellung eines Bildmotivs birgt unendlich viele Variationsmöglichkeiten. Ein und dasselbe Thema kann auf unterschiedlichste Weise dargestellt werden und zahlreiche Assoziationen beim Künstler wie auch beim Betrachter bewirken. Wolfgang Stifter beschäftigt sich seit Jahren mit diesen Gestaltungsmöglichkeiten. "Das Schlimmste ist", so der Künstler, "in Routine zu erstarren. Es ist ein Zeichen von Schwäche." Stifter bevorzugt das Arbeiten in Serien, die Untersuchung ein und desselben Themas hinsichtlich seiner Variationsmöglichkeiten. Die Bildtitel sind als Grundordnung zu sehen, sollen aber auch andere Gedanken zulassen. Die einzelnen Bilder einer Serie wirken so heterogen und bilden dennoch einen Teil des Ganzen. Für den Künstler ist diese Auseinandersetzung ein "meditativer Vorgang". Im Grunde zeigt sein Herangehen an Themen und Motive die Unendlichkeit der möglichen Darstellung.
[] Fixierung auf ein Thema, eine Farbe, eine Technik vermied er stets. Sein Werk ist gekennzeichnet vom ständigen Changieren zwischen abstrakter und realer Darstellung, Abstraktem Expressionismus, lyrischem Informel, dem Wechsel zwischen Malerei und Graphik. Die Thematisierung literarischer und philosophischer Aspekte ist charakteristisch für sein umfangreiches Werk und symbolisiert die Unendlichkeit künstlerischen Schaffens. Vermutlich birgt gerade diese Unendlichkeit den Weg einer stetigen Entwicklung, Hinterfragung aber auch des in sich Ruhen lassen, das Annehmen von Wirklichem und Imaginärem.”

(Christina Hainzl, „Changieren zwischen Abstrakter und realer Darstellung. Zum Werk von Wolfgang Stifter.")


„Eine Besonderheit bei Wolfgang Stifter ist dessen Naturverständnis, seine enge Beziehung zu allem Organischen, zur Landschaft, zur Flora und Fauna, zur Tektonik schlechthin, zu Gebirge und Stein, Strukturen, Schichtungen und Spaltungen. () Sie bilden weder die Natur ab noch nach, imitieren sie auch nicht, sondern konfrontieren mit einer Vorgangsweise und einem Vokabular, das auf weiten Strecken mit Phänomenen der und Einblicken in die Natur vergleichbar ist. Dank einer gewissen Sperrigkeit und der offenen Synchronisation sämtlicher Bildelemente entgehen Stifters Kompositionen dem allzu Schönen, allzu Glatten und allzu Eindeutigen.”

(Peter Baum, „Zur Malerei von Wolfgang Stifter. Hommage an die Welt und das Schöne”, in: Wolfgang Stifter. Arbeiten auf Leinwand, 2006)


Stets deutlich zeigt sich in Stifters Arbeiten so etwas wie Harmonie aller eingesetzten Elemente. Es ist nicht nur das bereits erwähnte Zusammenspiel von Strich und Farbe, Linearität und Fläche, sondern auch das von Chaos und Ordnung, Bewegtheit und Ruhe, Emotionalität und Intellekt.”

(Peter Baum, „Zur Malerei von Wolfgang Stifter. Hommage an die Welt und das Schöne”, in: Wolfgang Stifter. Arbeiten auf Leinwand, 2006)


Wolfgang Stifter verfügt über eine lockere, mitunter tänzerische, organisatorisch begabte Handschrift. Sie ist durch rasche, elastische Pinselführung gekennzeichnet. Dort wo es die Komposition verlangt, sorgt sie für kräftige Akkorde, Punktationen und genau kalkulierte Festlegungen, erweckt jedoch immer den Eindruck von Bewegtheit und Frische.”

(Peter Baum, „Zur Malerei von Wolfgang Stifter. Hommage an die Welt und das Schöne”, in: Wolfgang Stifter. Arbeiten auf Leinwand, 2006)


„Im Gleichklang einer fortschreitenden Könnerschaft und einer ebenso in Aufbruch befindlichen Umsetzung fungiert Stifters Hommage an den Menschen, die Welt und das Schöne als stringente Botschaft fern jeder überlasteten Intellektualität und Annäherung an austauschbare modische Attitüden.”

(Peter Baum, „Zur Malerei von Wolfgang Stifter. Hommage an die Welt und das Schöne”, in: Wolfgang Stifter. Arbeiten auf Leinwand, 2006)


„Stifters Bilder sind in diesem Sinne gestaltet Bildideen, die den von Harald Szeemann in den 1970iger Jahren geprägten Begriff der „individuellen Mythologie” nicht nur als Ausdruck eines künstlerischen Pluralismus, sondern in erster Linie als umfassend gereiften künstlerischen Horizont erfahrbar werden lassen. Stifters Malerei reflektiert Kunst im Allgemeinen und die eigenen künstlerische Grunddisposition im Speziellen und begründet hieraus ein System, das so viele zeitliche Qualitäten in einem „hier und jetzt” des konkreten Werks wirksam werden lässt.”

(Martin Hochleitner, „Zwischen Archetyp und persönlicher Erinnerung. Akrotiri-Red Beach”, in: Wolfgang Stifter. Arbeiten auf Leinwand, 2006)


Homo Faber - die zweite Generation ist der Titel einer neuen Serie von Malereien, die erst in diesem Jahr entstanden ist. Der Titel nimmt Bezug auf jene Gruppe von Werken aus dem Jahr 1997, die unter der Bezeichung "Homo faber und andere" während der Arbeit für den Gemeinderatssaal im alten Rathaus in Linz bzw. parallel dazu geschaffen worden sind und eben das Motiv des schaffenden, tätigen Menschen (homo faber) im weiteren Sinn umkreisen, wobei Wolfgang Stifter weniger abbildend vorgeht sondern selbst mit kraftvollem Pinselstrich tätig wird. Gestik und Dynamik sind daher neben dem durchwegs kräftig leuchtenden Rot die wesentlichen Merkmale all dieser Bilder.


„Sein Duktus ist voller Elan, herb, variantenreich, suchend und sicher zupackend zugleich, improvisierend und doch bestimmt: Ein zunächst ungesichertes, im Weiß der Leinwand unbegrenztes Terrain wird abgesteckt, erforscht und mit markanter Handschrift definiert. Wenn Wolfgang Stifter malt, packt ihn immer wieder Abenteuer- und Entdeckungslust. Mit einem Minimum an materiellem Aufwand, gleichsam aus dem Nichts, aber auch dank all dem, was man in sich trägt, stellt sich der Künstler neuen Herausforderungen, einer neuen Serie von Gemälden, einer neuen Arbeit.”

(Peter Baum, „Der Gemäldezyklus „Homo faber und andere von Wolfgang Stifter. Archäologie der Bildfindung” in: in: Wolfgang Stifter. Arbeiten auf Leinwand, 2006)

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