Franz Blaas

Franz Blaas zählt zu jenen Zeichnern der expressionistisch orientierten Moderne, die die Möglichkeiten ihres gewählten graphischen Mediums sensibel beobachten und im Sinne geistiger Spurensicherung nützen. Es beschäftigt ihn die Authentizität, die Ursprünglichkeit und das Spontane einer Aussage. Er ist ein sehr feinsinniger, an der vollen Aus-schöpfung persönlicher Erfahrung interessierter Künstler, der nicht nur im Bereich der Zeichnung Großartiges leistet sondern auch mit seinem Roman "Omas kleine Erde" ein literarisches Dokument der 80er Jahre geschaffen hat.
Mit dem Libretto zur Oper "Zeichner im Schnee", das das Leben des genialen Zeichners Clemens Brosch behandelt, legte Blaas eine weitere literarische Arbeit der Sonderklasse vor.
Die meist kleinformatigen Zeichnungen, wie Franz Blaas sie liefert, der noch dazu oft genug auch auf jede Farbe verzichtet und nur mit wenigen Kohle- oder Tuschestrichen ein ganzes Universum entstehen läßt, regen die Phantasie des Betrachters an, fordern stets aufs neue zu einer analytischen Betrachtungsweise heraus. Einfache Strichfigurengebilde oft auch färbig hinterlegt wachsen aus dem Bildgrund, verschmelzen mit anderen figurativen Gestaltungsformen, wirken oft ängstlich und verstört aber auch freundlich und zutraulich. Franz Blaas schafft es, mit bemerkenswerter Leichtigkeit äußerst komplexe, psychologisch dichte, spannende Zeichnungen zu liefern, die den Betrachter bezaubern und in eine andere Welt entführen.


"Franz Blaas ist ein Künstler der 'Entschleunigung'. Einer, der sich immer die Freiheit genommen hat, den Kunstbetrieb just in jenem Moment zu verlassen, als dieser ihm Großes versprach, er hingegen das als Lockmittel und letztlich als drohende Paralyse seines persönlichen kreativen Fortkommens erkannte.

  • Immer wieder "der Künstler am Scheideweg", einer, der das zunächst weniger Attraktive wählt, mit der Beharrlichkeit dessen, der inzwischen weiß, welche Narkotika Erfolg versprechend auftauchen, und der das auch klar als Zivilisationskritik formuliert: "Wir haben die Relation verloren zu dem, was uns Kräfte gibt und Kräfte raubt."
  • Er hat sich nie den Marktgängigen angeschlossen, er kommt lieber auf sich selbst zurück. Wo Perfektion das Bild zu einem Markenartikel werden ließe, wechselt Blaas Technik und Sujet.
  • Franz Blaas sucht immer nach Reduktion. Anders als beim Schriftsteller oder vielleicht gerade wegen dieser alternativen Ausdrucksmöglichkeit, ist beim Zeichner Franz Blaas das Erzählerische zurückgenommen. Der Raum entsteht allein schon durch sorgfältige Auswahl des Materials. Wie Alfred Kubin Katasterpapier bevorzugte, bevorzugt Blaas alte Kartons als Zeichenfläche. Und nicht von ungefähr werden beide als Zeichner häufig in eine Traditionslinie gerückt. Wobei ebenso Fritz von Herzmanovsky-Orlando in der Handschrift seiner Bleistift- und Buntstiftarbeiten Bezüge anbietet."
    Aus: Johannes Jetschgo: "Der Zeichner als Librettist. Franz Blaas." In: Parnass, 4/2000