Gerhard Müller

„Seit nunmehr über 30 Jahren entstehen (vorwiegend mittelformatige) Arbeiten auf Papier in eingehenden und durchgestandenen, aber nicht festgelegten Arbeitsprozessen. Ihr (unausgesprochenes) Thema ist die unüberschaubare Befangenheit des in dies Dasein gestellten, fühlenden Wesens, dessen vielschichtiges Beziehungsgeflecht und seine Bewegung.
Ein Blatt von Gerhard Müller ist immer ein Ausschnitt dieser (großen) Bewegung, welcher die (große) Bewegung selbst bedeutet. Die wirkenden Zeichen sind dabei einfach(st)e Grundformen wie Menschen, Tier, Haus oder Blume mit zeitweise humorigen Einbringungen, denen es aber an Tiefe in ihrer Stimmigkeit nicht mangelt.
[] Die Entstehung einer Arbeit auf Papier durch Gerhard Müller ist für ihn immer ein unüberschaubares Abenteuer, ein Aufbrechen zu den inneren Räumen anhand ihrer äußeren Spiegelungen. Er arbeitet nicht wie viele andere Künstler in Schüben, sondern rhythmisch und sein Werk beinahe tagebuchartig fortführend. Im Arbeiten verfolgt er kein Muster oder eingegrenztes Vorhaben. Die Blätter erwachsen (sich) aufbauend und Schicht um Schicht. Wie weit das im Einzelfall führt, ist (auch für ihn selber) im vornhinein nicht zu sagen. Die Möglichkeit der Übertreibung, des zu Tode-Arbeitens eines Bildes aus Unachtsamkeit oder durch zu viel „Wollen” ist einerseits immer enthalten; andererseits entstehen oft die stimmigsten aus Verbesserungen und/oder nachträglichen Ausrichtungen. Die Werdung eines Blattes ist durchaus als organisch zu bezeichnen und erfordert die immerwährende, sich auf die Gegebenheiten und Notwendigkeiten des Augenblicks richtende Aufmerksamkeit.”

(„Gerhard Müller. Arbeiten auf Papier.” 1995)